
Durch den Feldzug Alexanders des Großen wurden die zentralasiatischen Völker mit der griechischen Kultur konfrontiert. Und umgekehrt kamen Alexanders Heer und Tross mit den lokalen Kulturen in Kontakt. Die nachhaltigen Wechselwirkungen dieser Begegnung auf die Kunst und Kultur Zentralasiens bilden einen Schwerpunkt der Ausstellung. Sie werden in ihrer großen Variationsbreite veranschaulicht.
Die Kunst unter den direkten Nachfolgern Alexanders im hellenistischen Baktrien, den Seleukiden, und anschließend den Graeco-Baktrischen Königen, war stark griechisch geprägt. Wichtige Funde stammen aus dem Oxos-Tempel und aus der großen hellenistischen Stadt Ai Khanoum im heutigen Afghanistan. Aus einem im 2. Jahrhundert v. Chr. aus dem westlichen China nach Zentralasien gekommenen reiternomadischen Volk, den Jüehchi, gingen die einflussreichen Fürsten der Kuschan hervor. Ihre Dynastie herrschte mehrere Jahrhunderte in Baktrien. Unter den Kuschan, die um die Zeitenwende ihr Imperium über den Hindukusch hinaus nach Indien ausbreiteten, entwickelte sich eine eigene Kunstsprache. Diese verknüpfte eindrücklich altorientalische, griechische, reiternomadische und fernöstliche Motive.
Ein Höhepunkt gegenseitigen Zitierens unterschiedlicher Kulturstränge wurde schließlich in der Gandhara-Kunst erreicht, deren Zentrum sich im östlichen Teil des Kuschanreiches, im heutigen Pakistan befand. In großer Selbstverständlichkeit wurden hier in den ersten Jahrhunderten n. Chr. griechische und altorientalische Motive mit der indischen Bildsprache verknüpft.
Mit dem Buddhismus kamen indische Motive auch nach Zentralasien und mit ihnen einige der frühesten menschlichen Darstellungen Buddhas. Auch diese revolutionäre Neuheit in der Bildkunst ist möglicherweise griechischen Traditionen verpflichtet, denen die menschliche Darstellung von Gottheiten von je her vertraut war.